Corine Defrance und Ulrich Pfeil im Europa Dialog: "Die deutsch-französische Versöhnung"

Corine Defrance und Ulrich Pfeil im Europa Dialog: "Die deutsch-französische Versöhnung"

17.11.2016 - 19:00
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 kann nicht ohne Weiteres als reine Er-folgsgeschichte verstanden werden. Vielmehr handelt es sich um eine Geschichte, die sich durch ein perma-nentes Auf und Ab, durch Widersprüchlichkeiten und Paradoxien auszeichnet. Dennoch ist es Frankreich und Deutschland immer wieder gelungen, jeweils unterschiedliche Interessen zu überwinden und neue Formen der Kooperation zu finden. Diese Anstrengungen wurden von der Öffentlichkeit beider Länder wie auch vom Ausland erwartet. − Die deutsch-französische Aussöhnung, welche die These einer überwindbaren »Erb-feindschaft« zwischen den beiden Ländern überwand, gilt heute vielfach als Modell für andere Aussöhnungs-prozesse. Möglicherweise kann der Fundus an Instrumenten, den Frankreich und Deutschland entwickelten, auch für die Befriedung anderer bilateraler Beziehungen genutzt werden. Schließlich stellt sich auch die Frage, ob das couple franco-allemand nicht nur eine Zukunft hat, wenn es sich für andere Partner öffnet.

Prof. Dr. Ulrich Pfeil ist Professor für civilisation allemande an der Universität Lothringen (Metz). Nach seiner Promotion, in der er den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag einer deutschen Stadt zwischen Kaiserreich und dem Dritten Reich untersucht hat, wandte er sich in seiner Habilitationsschrift den Beziehungen Frankreichs und der DDR (1949-1989) zu. Seine neueren, oftmals mit Corine Defrance erarbeiteten Publikationen thematisieren insbesondere die politischen und kulturellen Beziehungen Frankreichs und Deutschlands nach 1945. Namentlich zu diesem Thema hat er gemeinsam mit Corine Defrance den zehnten Band der Deutsch-Französischen Geschichte mit dem Titel Deutschland und Frankreich: Eine Nachkriegsgeschichte in Europa (1945-1963) / Entre guerre froide et intégration européenne. Reconstruction et rapprochement (1945-1963), Darmstadt 2011 & Lille 2012, publiziert, sowie zuletzt Verständigung und Versöhnung nach dem "Zivilisationsbruch"? Deutschland in Europa, Brüssel 2016.

Prof. Dr. Corine Defrance ist Professorin am staatlichen Centre national de la recherche scientifique. In den Jahren 2011 und 2012 war sie Gastprofessorin an der HU Berlin und ist seit 2015 Vertrauenswissenschaftlerin der Alexander-Humboldt-Stiftung. Ihre Dissertation war dem französischen Einfluss in den linksrheinischen Gebieten 1945-1955 gewidmet, ihre Habilitation behandelte Bildung, Kultur und Politik in Deutschland während des 20. Jahrhunderts. In Ihrer Forschung befasst sie sich weiterhin mit den deutsch-französischen Beziehungen im 20. und 21. Jahrhundert, mit den deutschen Gesellschaften nach 1945 und mit den Versöhnungsprozessen im Europa des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Vortragsreihe EuropaDialoge/Dialogues d’Europe wird vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und dem an der Goethe-Universität angesiedelten Deutsch-Französischen Institut der Geschichts- und Sozialwissenschaften – Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (zuvor: Institut français d’histoire en Allemagne) gemeinsam veranstaltet und von Professor Matthias Lutz-Bachmann und Professor Pierre Monnet wissenschaftlich geleitet.